Donnerstag, 22. Dezember 2011

Schaden

Der Kassierer ist nicht mehr da, als ich das Hallenbad verlasse. Keine Abschiedszene vor den Feiertagen und der Woche zwischen den Jahren, in der das Sachsendamm-Bad geschlossen sein wird. Und keine Gelegenheit mehr, ihn zu fragen, ob er mir einen Kontakt zu dem Kollegen aus der Hauptstraße machen kann, von dem er das gehört hat mit der Absenkung des Beckenbodens im Stadtbad Schöneberg. In zwei Jahren Bauarbeiten nicht bemerkt, erst bei den Vorbereitungen zur Inbetriebnahme festgestellt. Und dann wollen die am 20. Januar öffnen? Bis dahin es hinkriegen, den Beckenboden anzuheben und zu stabilisieren? Wenn sie es überhaupt hinkriegen. Wie macht man denn das, Bernd? – An den richtigen Stellen Löcher bohren und Beton reingießen, sagt der ehemalige Architekt. – Doch so einfach ist das bestimmt nicht, wie es sich anhört. Alleine schon das Finden der richtigen Stellen; von detektivischer Spürarbeit ist die Rede in einer Meldung auf BerlinOnline. Sonst nichts zu dem Thema im Internet. Die Lokalpresse interessiert das nicht. Dabei ist es doch eine Riesengeschichte. Nach allem, was bisher geschah (50 Millionen Euro verknallt bei der Pfusch-Modernisierung des Hallenbades in den 90er Jahren), nun erst kurz vor Inbetriebnahme einen so gravierenden Schaden festgestellt: eine Absenkung des Schwimmbeckens! – Der Kollege des Kassierers ist krank, sonst hätte er ihn noch mal fragen können. Jetzt muss erst mal die Feiertagsagonie überstanden werden und am 2. Januar weiß er dann mehr, sagt der Kassierer. Auf die Idee, den Kollegen zu Hause anzurufen kommt er nicht. So gut kennen sie sich nicht? So wichtig ist es ihm nicht wie mir. Deshalb wollte ich einen direkten Kontakt zum Kollegen oder wenigstens einen Tipp vom Kassierer, wen ich ansprechen könnte in der Verwaltung der Berliner Bäder-Betriebe. Auf die Idee, dass die eine Pressestelle haben mit einem Pressesprecher, komme ich nicht. So habe ich die Berliner Bäder-Betriebe bislang nicht wahrgenommen aus meiner Badegast-Perspektive, da habe ich immer nur eine betuliche Truppe in kurzen Hosen und Badelatschen gesehen und so idyllisch habe ich mir auch das Management der BBB vorgestellt. Aber was heißt schon Management? Und dann auch noch Pressesprecher?

Dabei, wo gibt es nicht überall Pressesprecher! Ist mir diesen Sommer klar geworden, als ich einen vor mir sitzen hatte. Name der Institution, bei der er arbeitet, kleinere Einrichtung als die Berliner Bäder-Betriebe, spielt keine Rolle. Darf keine Rolle spielen. Denn, was hat er für einen Aufstand gemacht, als ich ihn mit einem Satz zitiert habe, in dem er sich selbst als Pressefuzzy bezeichnete. Auf keinen Falle dürfe ich das schreiben. Er habe nicht nur Freunde in der Institution und seine Feinde warteten nur auf so was, um ihn abzusägen. – Weil er seine Stelle mit Pressefuzzy beschrieben hat? - Der entspannte große Macker am  Zittern und Bibbern um seinen Job. Nichts als ein kleiner Hosenscheißer hinter der Fassade von Souveränität? Oder geht es so rau zu in solchen Institutionen? Was weiß denn ich, was für ein Krieg da tobt um die gesicherten Einkommen. Ich habe keins. Keine Ahnung habe ich. Und deshalb habe ich mir überlegt, dass ich den Pressesprecher der Berliner Bäder-Betriebe  mal fragen könnte: a) ob er sich selbst schon einmal salopp als Pressefuzzy bezeichnet hat und b) ob er fürchten würde, dass ihm das in seinem Laden Nachteile verschafft, wenn es ruchbar würde, dass er sich in einem Gespräch mit einem Blogger als Pressefuzzy der Berliner Bäder-Betriebe bezeichnet hat. Wenn sich die Gelegenheit dazu noch einmal ergeben sollte, frage ich ihn das. Heute ist es mir zu spät eingefallen, dass ich damit ein  seltsames Vorkommnis aus dem Sommer klären könnte. Ende Abschweifung. 

Pressesprecher der Berliner Bäder-Betriebe ist Matthias Oloew. Dass es ihn gibt, seinen Namen und seine Telefonnummer habe ich herausgefunden, als ich vergeblich ein Organigramm auf der Website der BBB gesucht habe, um einen Ansprechpartner für meine Fragen zum neuesten Gebäudeschaden im Stadtbad Schöneberg zu finden. In einem knapp 15minütigen Gespräch hat er mir alle meine Fragen beantwortet, bis auf eine, die ich mir mit seiner Hilfe selbst beantworten konnte. Ich weiß jetzt, was für ein Schaden das ist, der erst kurz vor der Inbetriebnahme entdeckt wurde und gar nicht früher entdeckt werden konnte. Und ich habe eine Vorstellung davon, wie es zu dem Baudebakel gekommen ist, das in den 90er Jahren im denkmalgeschützten Gebäude des Stadtbad Schönebergs angerichtet wurde. 

Mehr demnächst. Vorweg: Dass der Boden des Beckens sich abgesenkt hat, stimmt nicht.